Die Diskussion um ein Mindestalter für soziale Medien wird derzeit intensiv geführt. Auslöser ist unter anderem Australien: Dort dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren seit Ende 2025 keine Konten mehr auf großen sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok oder Snapchat führen. Auch in Deutschland wird zunehmend diskutiert, ob eine gesetzliche Altersgrenze junge Menschen besser vor Cybermobbing, problematischen Inhalten oder suchtfördernden Plattformmechanismen schützen könnte.
Gleichzeitig hat eine Unabhängige Expertenkommission mit Expert*innen aus den Bereichen Rechtswissenschaft, Medizin, Psychologie, Kriminologie, Pädagogik und Bildungsforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Juni 2026 Handlungsempfehlungen für einen wirkungsvollen Jugendmedienschutz vorgelegt. Diese machen deutlich, dass digitaler Kinder- und Jugendschutz nicht auf Verbote reduziert werden darf, sondern Schutz, Befähigung und Teilhabe zusammen denken muss.
Was ist tatsächlich nötig, um Kinder und Jugendliche im digitalen Raum effektiv zu schützen? Was denken junge Menschen selbst darüber? Und was bedeutet das für Fachkräfte?
Archiv der Kategorie: Handreichung
Mehr als Bienchen und Blümchen – Medienempfehlungen zur Prävention sexualisierter Gewalt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung
Kinder und Jugendliche mit Behinderung haben ein deutlich erhöhtes Risiko für sexualisierte Gewalt. Das liegt nicht an ihrer Behinderung selbst, sondern an strukturellen Abhängigkeiten und Machtasymmetrien sowie Zugangsbarrieren zu Informationen und Hilfe. Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen mit Behinderung findet häufig im Nahraum – in Familien, Einrichtungen und Pflegekontexten – statt, da sie durch die Abhängigkeit von Assistenz begünstigt wird. Auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung haben das Recht, ihre eigene Sexualität aktiv auszuleben. (Inklusive) Schutzkonzepte sowie sexualpädagogische Konzepte in Einrichtungen, in denen die Kinder und Jugendlichen leben und lernen, schaffen Sensibilität im Umgang mit Grenzverletzungen und ermöglichen Schutz als auch Teilhabe.
Um pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte dabei zu unterstützen, stellt diese Handreichung geeignete Medien zur Prävention sexualisierter Gewalt zusammen. Alle Medien sind mit praxisrelevanten Informationen versehen und eröffnen vielfältige Möglichkeiten für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung.
Zwischen Prompt und Pädagogik – Kindheit mit KI
Kaninchen, die im Garten Trampolin springen, sprechendes Obst, das medizinische Ratschläge
gibt oder Influencer*innen, die in Realität gar nicht existieren – so können die Social-Media-Startseiten von Kindern und Jugendlichen aussehen. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) generierte Bilder und Videos verbreiten sich rasant über soziale Netzwerke und wirken täuschend echt. Zudem ist die Nutzung von KI-Chatbots wie ChatGPT für die meisten Heranwachsenden fester Bestandteil ihres alltäglichen Medienhandelns geworden.
Fachkräfte berichten nicht selten von Unsicherheiten im Umgang mit den neuen Herausforderungen, die durch aktuelle Entwicklungen im Bereich KI entstehen. Wie sehr kann ich mich auf ChatGPT, Gemini oder die Hinweise von animierten Obst verlassen? Wie kann ich erkennen, dass Kaninchen gar kein Trampolin springen, wenn es doch so täuschend echt aussieht? Und kann KI missbraucht werden?
Jugendliche zwischen Orientierungssuche und Radikalisierung
Radikalisierung unter Kindern und Jugendlichen ist oft schwer zu fassen. Ein plötzlicher
Rückzug, neue Freundschaften, aggressive Parolen oder kryptische Symbole im Chat – vieles davon ist nicht immer leicht einzuordnen. Gleichzeitig bewegen sich junge Menschen heute in digitalen Räumen, in denen extremistische Inhalte nur einen Klick entfernt sind. Dort treffen sie auf Angebote, die einfache Antworten versprechen, Zugehörigkeit vermitteln – und zugleich demokratische Werte infrage stellen. Für Fachkräfte entsteht daraus eine große Herausforderung: Wie lassen sich frühe Anzeichen erkennen? Wie begegnet man Jugendlichen, ohne sie zu stigmatisieren oder ihr Vertrauen zu verlieren? Und wie kann man unterstützen, bevor sich destruktive Denkmuster verfestigen?
Die Handreichung möchte zu diesen Fragen eine Orientierung geben.
Squid Game: Kein Kinderspiel
Die dritte und finale Staffel von Squid Game ist seit Ende Juni auf Netflix zu sehen. Als die international erfolgreiche Netflix-Produktion vor vier Jahren zum ersten Mal auf den Bildschirmen flimmerte, wurden vermehrt gewalthaltige Nachahmungen der Serie unter Kindern und Jugendlichen beobachtet. Auch die Folgestaffel animierte Heranwachsende dazu, sich an den medialen Figuren zu orientieren. So gab es bereits einen Polizeieinsatz wegen Jugendlicher in Squid-Game-Kleidung, die in der Öffentlichkeit mit Waffen hantierten. Auch wenn sich die Waffen als Spielzeuge herausstellten, hatte die Aktion brisante Folgen: Gegen die Teenager wurde ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet. In der südkoreanischen Serie werden Kinderspiele gespielt, die zu Teilen auch in Deutschland bekannt und unter Kindern beliebt sind. Die Serie selbst ist aber nicht für Heranwachsende geeignet, wie auch der Macher Hwang Dong-hyuk betont. Dennoch kommen auch Jüngere über verschiedene Kanäle wie Social Media oder ältere Geschwister mit den Medieninhalten in Kontakt, was Eltern und Fachkräfte aufgrund der gewalthaltigen Inhalte besorgt. Die Handreichung soll einen Einblick in die Serie geben und den pädagogisch sinnvollen Umgang mit Gewalt in Medien anregen.
Social Media und die Manosphere – Sind männliche Jugendliche in Gefahr?
Tanzchoreografien, Sportchallenges und Tiervideos: dafür ist die beliebte Kurzvideo-Plattform
TikTok bekannt. Doch zwischen unterhaltsamen Videos finden sich auch Inhalte aus der sogenannten „Manosphere“. Sie reproduzieren antifeministische und maskulinistische Überzeugungen, die unter Umständen insbesondere für männliche Jugendliche attraktiv wirken können. Auch auf anderen sozialen Netzwerken wie YouTube oder Instagram finden sich Inhalte aus diesem Bereich. Doch was genau ist die Manosphere? Und inwiefern stellt sie eine Gefährdung für Kinder und Jugendliche dar?
Kinderbilder im Netz – von Familybloggern zu Kidfluencern
Eine Information für Familien und Fachkräfte
Gemeinsam auf dem Sofa sitzen, das Familienalbum anschauen und in Erinnerungen schwelgen – das war gestern. Heute bieten soziale Online-Netzwerke die Möglichkeit, jeden privaten Schnappschuss mit Verwandten, Freunden und Fremden zu teilen. Während Familienfotos zuvor ausgedruckt und im Fotoalbum aufbewahrt wurden, sind sie heute zahlreich im Internet zu finden – und das für die ganze Welt.
Dabei ist das Sharenting, wie das Teilen von Kinderfotos und -videos auch genannt wird, schon lange nicht mehr nur private Angelegenheit: Familienblogger sowie Mom- und Kidfluencer können mit ihrem Social-Media-Auftritt viel Geld verdienen. Neben weiteren Vorteilen wie dem kreativen Ausleben und der gesellschaftlichen Teilhabe im Onlinebereich birgt dieses Phänomen aber auch zahlreiche Risiken. Dürfen Kinder überhaupt als Influencer arbeiten? Und ist das Teilen von Kinderfotos auf Sozialen Netzwerken für jeden und jede uneingeschränkt möglich? Diese Handreichung soll eine Orientierung geben, welche gesetzlichen Regelungen beim privaten und kommerziellen Teilen von Kinderfotos und -videos zu beachten sind.
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Mit Kindern und Jugendlichen über Terror und Gewalt reden
Eine Information für Familien und Fachkräfte
Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024 schockiert nicht nur Erwachsene. Auch Jugendliche und Kinder kommen über offizielle Medienberichte, Beiträge in sozialen Netzwerken und Gespräche unter Gleichaltrigen oder Verwandten mit dem Attentat in Kontakt. Insbesondere die räumliche Nähe zum Anschlag kann für Fachkräfte, Eltern und Heranwachsende aus Sachsen-Anhalt eine neue Qualität an Aufarbeitung erfordern. Auch die aktuelle mediale Berichterstattung über weitere Gewalttaten in Deutschland führt häufig zu steigender Verunsicherung und Ratlosigkeit. Diese Handreichung soll pädagogischen Fachkräften und Eltern einen Einstieg in die Kommunikation ermöglichen. Weiterlesen
Kinderpornografie in Social Media – eine gesetzliche Einordnung
Eine Information für Fachkräfte und Familien
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder verursacht schwere physische und psychische Schäden und kann Betroffene ihr gesamtes Leben lang traumatisieren. Die gesellschaftliche Verantwortung, Kinder vor solchen schädlichen Erfahrungen zu schützen, liegt bei uns allen.
Nach der Verschärfung der Strafmaßes bei Verbreitung, Erwerb und Besitz von kinderpornografischen Inhalten (§ 184b StGB) im Jahr 2021 drohten Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Das machte den Straftatbestand in juristischer Hinsicht zu einem „Verbrechen“ (§ 12 Abs. 1 StGB). Bei der Verfolgung von Straftaten in diesem Bereich traf es in der Folge nicht immer nur Pädokriminelle. Die Hochstufung als Verbrechen hatte auch weitreichende Folgen für Erziehungsberechtigte, Lehrer*innen und andere pädagogische Fachkräfte. Sogar Kinder und Jugendliche selbst wurden vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt: Im Jahr 2023 waren 43 Prozent der Tatverdächtigen in Bezug auf § 184b StGB selbst noch minderjährig.
Mit Kindern und Jugendlichen über Krieg reden?
Eine Information für Familien und Fachkräfte
Aktuell sind durch den Krieg in der Ukraine nicht nur Erwachsene verunsichert. Gerade Kinder und Jugendliche werden in sozialen Medien, bei Gesprächen mit Freunden oder durch Nachrichten in Radio und Fernsehen mit dem Thema konfrontiert. Sie sprechen mit Gleichaltrigen in Schule und Freizeit darüber – dabei entstehen Fragen, nicht selten auch Sorgen und Ängste. Hier stellt sich Eltern und Pädagog*innen oft die Frage, wie sie verantwortungsvoll und umsichtig mit Heranwachsenden über Krieg und dessen Folgen reden können.
